Im März 2020 probten wir mit der Stadtkapelle für unser geplantes Mitmachkonzert für Kinder, das in Zusammenarbeit mit der Grundschule und der Städtischen Musikschule die Geschichte von Phileas Fogg erzählen sollte, der aufgrund einer Wette versucht, in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Der Ablauf dieses besonderen Gemeinschaftsprojektes war bereits bis ins Detail geplant, als am 13. März 2020 die erste Probe aufgrund des sich ausbreitenden Corona-Virus abgesagt werden musste.

Erster Lockdown (März bis Juni 2020):

Nach Absage aller bis Juni geplanten Veranstaltungen machten sich die Vorstandschaft und auch die Jugendvorstandschaft ziemlich schnell Gedanken, wie man trotz des Proben- und Auftrittsverbotes in Kontakt bleiben könne. Bewusst wollten wir unsere Musiker in dieser schwierigen Zeit nicht mit einem Überangebot an Aktionen nerven und so nutzte die Vorstandschaft die Zeit, um im Hintergrund den Restart bestmöglich vorzubereiten. Die Digitalisierung erhielt nicht nur bei der Kommunikation, sondern auch bei der Vereinsverwaltung endgültig bei der Stadtkapelle Einzug. Zum einen wurde der komplette Notenbestand in die Online-Vereinsverwaltung des Nordbayerischen Musikbundes importiert, Mitgliederdaten und E-Mail-Verteiler überarbeitet, zum anderen eine neue Checklisten- und Aufgaben-Struktur in Trello angelegt. Sogar eine vereinsinterne Cloud zur Bereitstellung von Inhalten wurde für die Musiker in dieser Zeit aufgesetzt. Die Jugendvorstand startete zeitgleich ihre Corona-Wichtel-Aktion: Eine originelle Stadtkapellen-Geschenke-Box, die seitdem immer wieder neu bestückt von Musiker zu Musiker geschickt wird und so schon vielerorts für eine echte Überraschung und große Freude gesorgt hat.

Restart Blasmusik (Juni 2020):

Am 19. Juni haben wir mit 18 Personen unter Einhaltung des Mindestabstandes von zwei Metern den Probenbetrieb in unserem Proberaum wieder aufgenommen. Unser Vorstand hat dafür ein genaues Konzept erarbeitet, wie eine Probe unter strenger Einhaltung der Hygienevorschriften umzusetzen wäre. Damit wir auch endlich in größerer Besetzung wieder proben konnten, haben wir dann die Proben bei geeigneter Witterung in den Neunburger Burghof verlegt. Nachdem auch unsere jährlich stattfindende Burghofserenade entfallen musste, machten wir uns Gedanken darüber, in welcher Form Auftritte realisierbar und auch verantwortbar wären. Eine Herzensangelegenheit war uns in diesem Zusammenhang das Standkonzert vor dem Marienheim. Mit einigen Märschen, Polkas und einem Walzer konnten wir den Bewohnern und Mitarbeitern der Einrichtung, aber auch uns eine große Freude bereiten.

Mit Blasmusik in den Herbst (September/Oktober 2020):

Nach der Sommerpause waren die Freiluftproben im Burghof aufgrund der Witterung keine Option mehr, weshalb wir sehr dankbar waren, für vier Proben in die Grundschulturnhalle ausweichen zu können. Mit Voranmeldelisten über die Konzertmeister-App, genauen Sitzplänen, Probenregeln und Aufbauteams wurden die Proben akribisch vorbereitet, mit dem Zollstock wurde jeder Sitzplatz genauestens ausgemessen. So konnten wir unter Einhaltung der damals geltenden Vorschriften mit der gesamten Besetzung am Feinschliff für unser Platzkonzert „Mit Blasmusik in den Herbst“ arbeiten. Für das Freiluftkonzert haben wir uns extra Stadtkapellen-Masken anfertigen lassen, damit wir bei der Umsetzung des Hygienekonzepts auch optisch eine gute Figur machten.

Erneuter Lockdown und virtuelles Probenwochenende (November 2020):

Während im Sommerhalbjahr die Proben noch in eingeschränktem Umfang mit Abstand und einem umfassenden Hygienekonzept möglich waren, musste aufgrund der seit Anfang November verhängten Kontaktbeschränkungen der Probenbetrieb für die Musiker erneut vollständig eingestellt werden. Damit war neben dem geplanten Probenwochenende natürlich auch das traditionelle Weihnachtskonzert nicht mehr durchführbar und so begann man bereits Ende November mit den ersten Online-Proben. Freilich ist so eine digitale Probe kein Ersatz für eine richtige Probe im Proberaum, allein schon deshalb, weil das Zusammenspiel aller Teilnehmer trotz allem Fortschritt aufgrund der Latenzzeit einfach nicht möglich ist. Dennoch kann musikalisch gearbeitet werden und gemeinsam zu den Darbietungen unseres Dirigenten oder zu einem Playalong gespielt und geübt werden. Das Gesellige kommt dabei natürlich auch nicht zu kurz, sodass diese Art zu proben für das Gemeinschaftsgefühl eine tolle Sache ist.  

Virtuelle Veranstaltungen und digitale Probenarbeit (Dezember 2020 bis März 2021):

Vom virtuellen Probenwochenende über die digitale Weihnachtsfeier bis hin zur Faschingsfeier fanden seitdem bereits einige traditionelle Vereinstermine auf der Kommunikationsplattform Zoom statt und so konnte man trotz Corona zumindest in Kontakt bleiben. In der vereinsinternen Cloud werden zudem interessante Weblinks, lizenzfreies Notenmaterial und selbsterstellte Playalongs sowie Tipps zum Üben und zur Instrumentenpflege bereitgestellt. Nach den etwa alle zwei bis drei Wochen stattfindenden Online-Proben wird gemütlich zusammengesessen, geplaudert und zudem ein abwechslungsreiches außermusikalisches Programm geboten. Beliebt sind hier vor allem Fotoshows und Quiz-Spiele, die stets schöne Erinnerungen wecken. All die Aktionen täuschen aber nicht darüber hinweg, dass die Stadtkapelle seit einem Jahr nicht mehr das tun kann, was sie eigentlich auszeichnet und was jeder Musiker über die Jahre liebgewonnen und bis vor einem Jahr als selbstverständlich erachtet hat. Die wöchentliche Klangumarmung im Proberaum und das gemeinsame Musizieren fehlen einfach.

Nachwuchsarbeit und Fortbildungen:

Etwas Hoffnung macht, dass zumindest wieder Einzelunterricht in Präsenz stattfinden darf, sobald der Inzidenzwert im Landkreis mitspielt (was bisher ja leider nicht der Fall war). Auch hier haben die Lehrkräfte unserer Nachwuchsmusiker großen Aufwand betrieben, um die natürlichen Grenzen des Videounterrichts möglichst gut zu kompensieren und ihre Schüler trotz fehlender greifbarer Ziele weiterhin zu motivieren. Besonders schade ist es, dass wir unserem Jugendorchester nun seit 16 Monaten keinen Auftritt mehr ermöglichen konnten. Alle Planungen wurden hier leider (teils auch kurzfristig) zunichte gemacht. Umso schöner ist es, dass sich unsere Nachwuchsmusiker mittlerweile auch online treffen und mit ihren Instrumenten, aber auch mithilfe von Body- und Becherpercussion miteinander musizieren.  Besonders erfreulich ist, dass zwei Musiker trotz aller Einschränkungen die Leistungsabzeichen des Nordbayerischen Musikbundes ablegen konnten. Theresa Hammer (Klarinette) hat erfolgreich ihre D1-Prüfung (Bronze) absolviert und Nico Voith (Schlagzeug) meisterte mit Bravour seine D3-Prüfung (Gold). Beide Lehrgänge wurden erstmalig online durchgeführt. Überhaupt hat der Nordbayerische Musikbund innerhalb kürzester Zeit ein sehr umfangreiches und gewinnbringendes Online-Fortbildungsangebot entwickelt, das auch von einigen unserer Musiker in Anspruch genommen wird.

Viel Harmonie – ein Leben lang:

Eine so lange Zeit ohne Proben und Auftritte gab es in der über 40jährigen Vereinsgeschichte der Stadtkapelle bisher nicht und stellt natürlich eine echte Bewährungsprobe dar. Vielen Musikern steht aufgrund der aktuellen Situation auch nicht der Kopf danach, die aus der Not herausgeborenen Online-Angebote wahrzunehmen. Die Verantwortlichen der Stadtkapelle zeigen hierfür natürlich Verständnis und freuen sich deshalb umso mehr, dass der Kontakt zu den Musikern bisher nicht abgerissen ist. Um endlich auch wieder gemeinsam als Orchester klingen zu können, haben die Musiker vor Kurzem im Homeoffice das Musikstück „Ein Leben lang“ aufgenommen. Die zuhause aufgenommen Einzelvideos wurden aufwändig abgemischt und zu einem Collagen-Video zusammengefügt, welches auf dem neuen YouTube-Kanal der Stadtkapelle zu finden ist. Blasmusik geht immer, auch in Pandemiezeiten! Hoffen wir, dass wir bald wieder live musizieren können. Das digitale Muszieren bleibt letztendlich nur ein Kompromiss und fühlt sich wie eine Fernbeziehung an. Aber es ist definitiv besser als nichts. Und so bleiben wir weiter optimistisch und aktiv!

Hier der Beitrag zum Download:

Die Stadtkapelle im Lockdown – Ein Jahr Corona und doch aktiv

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